Kariertes Tageskleid nach Harper’s Bazar, Dezember 1882

Passend zum herbstlichen, fast schon winterlichen Wetter, habe ich mal wieder eines meiner nach der Mode der 1880er Jahre genähten Kleider hervorgeholt. Dieses hier habe ich vor kurzem ein wenig überarbeitet, es hat eine neue Dekoration aus alter Tüllspitze bekommen.

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Für den Rock habe ich wie (fast) immer  das Schnittmuster TV261 von Truly Victorian verwendet. Das ist für mich das perfekte Basis-Schnittmuster für Tournürenröcke. Schnell genäht und man kann es beliebig durch Dekorationen variieren. Hier habe ich mal Nahttaschen in den Rock eingearbeitet, die unter der Drapierung vom Oberteil versteckt sind – sehr praktisch für kleinere Dinge wie Taschentücher, Schlüssel, usw., wenn man keine kleine Tasche oder Beutel mit sich herumschleppen möchte.

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Das Schnittmuster für das Oberteil, eine “short pannier polonaise” habe ich aus dem Buch “Fashions Of The Gilded Age” (Band 2). Ursprünglich war es in der Dezemberausgabe 1882 von Harper’s Bazar. In “Fashions Of The Gilded Age” findet man eine Sammlung von originalen Modeabbildungen mit Beschreibungen und Schnittmustern aus der Zeit von 1877-1882. Wobei Schnittmuster hier kleine Schnittdiagramme meint, die man sich selber auf Lebensgröße vergrößern und an die eigene Größe anpassen muss. Ich habe das Schnittmuster in meinem Fall aber etwas abgewandelt, da es eigentlich als Abendkleid mit dreiviertellangen Ärmeln, tiefem Ausschnitt und Westeneinsatz gedacht ist.

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Für meine Tageskleidvariante aus einem taubenblauem Wollstoff mit cremefarbenem Karomuster habe ich fast nur die an das Oberteil angeschnittene Drapierung übernommen und die Stoffrosette hinten durch eine Schleife ersetzt. Meine Kleid hat stattdessen lange Ärmel und auch den Westeneinsatz vorne habe ich weggelassen.

short-pannier-polonaise_a7Beim Oberteil habe ich versucht, das Karomuster möglichst passend ineinander übergehen zu lassen. Das hat leider nicht überall hundertprozentig funktioniert, zum einen hat das Schnittteil für das Vorderteil (bestehend aus Seitenteil, Vorderteil und vorderer Drapierung) das nicht zugelassen und zum anderen sind die Karos auch nicht exakt gleichmässig.

Die Tüllspitze vom Rock- und Ärmelsaum ist auch am Kragenrand mitgefasst und hinten locker in Falten gelegt. Vorne habe ich sie per Hand komplett angenäht.

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Hier noch ein paar Details der Konstruktion der Drapierung und des Oberteils. Die “pannier”-artigen Drapierungen sind am Vorderteil angeschnitten und hinten mit zwei Bändchen in Falten zusammengefasst, damit alles an Ort und Stelle bleibt.

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Darüber liegt die der hintere Teil der Drapierung und verdeckt von außen die offenen Kanten der Falten der vorderen Drapierung.

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Hier sieht man das noch mal von außen, die hinteren Drapéteile sind an den mittleren Rückenteilen angeschnitten und hier sind die offenen Kanten der Falten unter der Schleife versteckt.

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Fotos von
Jessica Holzhausen

4 thoughts on “Kariertes Tageskleid nach Harper’s Bazar, Dezember 1882

  1. Ein Traum. Wie schade, daß die Mode für Frauen in der heutigen Zeit so unweiblich und unromantisch ist. Ich liebe solche Kleider. Dieses Kleid ist wunderschön!

    1. Danke! Ja, es stimmt schon, es ist ein ganz anderes Gefühl, so aufwendige Kleider zu tragen.
      Aber ich finde auch die heutige Mode hat ihre Eleganz, wenn man ihr die entsprechende Sorgfalt widmet und auf die Passform und sorgfältige Verarbeitung achtet!
      Und das Gute ist, heutzutage ist man ja eigentlich frei, alles zu tragen, was einem gefällt 😉

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