1880er Ballkleid

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Endlich ist das Kleid fertig, für das ich diese Knöpfe gemacht habe. Ein Ballkleid im Stil der 1880er Jahre aus beigegoldenem Seidentaft und pink-orange-goldenem Seidenjacquard. Wie immer bei meinen 1880er Kleidern habe ich als Basis für den Rock das Schnittmuster TV261 von Truly Victorian (1885 Four-Gore Underskirt) verwendet. Natürlich hat der Rock noch ganz viel Garnitur aus Spitzen, Tüll und Falten und Drapierungen aus Seide und eine schöne lange Schleppe bekommen. Die Schleppe ist im Prinzip die 1880’s Butterfly Detachable Train (Truly Victorian TV361) aber ohne die drapierten Poufs und meine ist auch fest am Rock angenäht. Das Oberteil habe ich nach dem Schnittmuster TV416 von Truly Victorian (1870’s Ballgown Bodice) genäht. Ich habe festgestellt, dass man dieses Schnittmuster, obwohl es ja für die frühe Tournürenzeit (1870er) gedacht ist, sehr gut mit dem 1880er Rock kombinieren kann. Zum Glück, hier finde ich nämlich die Ausschnittform schöner als bei dem 1880er Balloberteil-Schnittmuster von Truly Victorian.

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Die Schleppe ist mit dem beige-goldenen Seidentaft verstürzt, damit sie genügend Gewicht für einen schönen Fall hat und am unteren Rand mit der gleichen Fältchenborte verziert wie der Rocksaum. Allein diese Fältchenborte hat unglaublich viel Stoff (und Zeit beim Fältchen legen) verschlungen!

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Beim Tanzen kann man die Schleppe hochnehmen und in der Hand halten. Man könnte auch ein Bändchen für’s Handgelenk annähen, aber da habe ich festgestellt, dass das eher stört, wenn man mal schnell die Schleppe von der einen in die andere Hand nehmen will.

 

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Bei diesem Ballkleid habe ich die Schleppe nur bis zur Kante der oberen Spitzenreihe am Kleid festgenäht, das hat den Vorteil, dass beim Hochnehmen der Schleppe der eigentliche Rocksaum unten bleibt. Bei meinem ersten Ballkleid hatte ich die Schleppe in der Seitennaht des Rockes komplett bis zum Rocksaum mitgefasst, da funktionierte das nicht so gut.

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Das Oberteil ziert eine Spitzenrüsche, ein Drapierung aus Seidenjacquard und eine schmale Spitze an der Ausschnittkante.

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Unter der Schleifen-Drapierung aus Seidenjacquard versteckt sich übrigens der Verschluss.

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Ein ganz kleinen Rest von dem pink-orange-goldenem Seidenjacquard habe ich noch übrig, vielleicht nähe ich mir daraus noch mal ein zweites Oberteil mit halblangen Ärmel um das Kleid auch als Dinnerkleid tragen zu können.

Kariertes Tageskleid nach Harper’s Bazar, Dezember 1882

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Passend zum herbstlichen, fast schon winterlichen Wetter, habe ich mal wieder eines meiner nach der Mode der 1880er Jahre genähten Kleider hervorgeholt. Dieses hier habe ich vor kurzem ein wenig überarbeitet, es hat eine neue Dekoration aus alter Tüllspitze bekommen.

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Für den Rock habe ich wie (fast) immer  das Schnittmuster TV261 von Truly Victorian verwendet. Das ist für mich das perfekte Basis-Schnittmuster für Tournürenröcke. Schnell genäht und man kann es beliebig durch Dekorationen variieren. Hier habe ich mal Nahttaschen in den Rock eingearbeitet, die unter der Drapierung vom Oberteil versteckt sind – sehr praktisch für kleinere Dinge wie Taschentücher, Schlüssel, usw., wenn man keine kleine Tasche oder Beutel mit sich herumschleppen möchte.

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Das Schnittmuster für das Oberteil, eine “short pannier polonaise” habe ich aus dem Buch “Fashions Of The Gilded Age” (Band 2). Ursprünglich war es in der Dezemberausgabe 1882 von Harper’s Bazar. In “Fashions Of The Gilded Age” findet man eine Sammlung von originalen Modeabbildungen mit Beschreibungen und Schnittmustern aus der Zeit von 1877-1882. Wobei Schnittmuster hier kleine Schnittdiagramme meint, die man sich selber auf Lebensgröße vergrößern und an die eigene Größe anpassen muss. Ich habe das Schnittmuster in meinem Fall aber etwas abgewandelt, da es eigentlich als Abendkleid mit dreiviertellangen Ärmeln, tiefem Ausschnitt und Westeneinsatz gedacht ist.

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Für meine Tageskleidvariante aus einem taubenblauem Wollstoff mit cremefarbenem Karomuster habe ich fast nur die an das Oberteil angeschnittene Drapierung übernommen und die Stoffrosette hinten durch eine Schleife ersetzt. Meine Kleid hat stattdessen lange Ärmel und auch den Westeneinsatz vorne habe ich weggelassen.

short-pannier-polonaise_a7Beim Oberteil habe ich versucht, das Karomuster möglichst passend ineinander übergehen zu lassen. Das hat leider nicht überall hundertprozentig funktioniert, zum einen hat das Schnittteil für das Vorderteil (bestehend aus Seitenteil, Vorderteil und vorderer Drapierung) das nicht zugelassen und zum anderen sind die Karos auch nicht exakt gleichmässig.

Die Tüllspitze vom Rock- und Ärmelsaum ist auch am Kragenrand mitgefasst und hinten locker in Falten gelegt. Vorne habe ich sie per Hand komplett angenäht.

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Hier noch ein paar Details der Konstruktion der Drapierung und des Oberteils. Die “pannier”-artigen Drapierungen sind am Vorderteil angeschnitten und hinten mit zwei Bändchen in Falten zusammengefasst, damit alles an Ort und Stelle bleibt.

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Darüber liegt die der hintere Teil der Drapierung und verdeckt von außen die offenen Kanten der Falten der vorderen Drapierung.

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Hier sieht man das noch mal von außen, die hinteren Drapéteile sind an den mittleren Rückenteilen angeschnitten und hier sind die offenen Kanten der Falten unter der Schleife versteckt.

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Fotos von
Jessica Holzhausen

Gestreiftes Tageskleid aus Leinen

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Das hier ist übrigens das passende Kleid zu Hut und Handschuhen. Meine Inspirationsquelle war dieses wunderschöne Originalkleid aus den 1880er Jahren. Ich habe es nur aus einem blau-bronze gestreiften Leinenstoff genäht und ein paar Details geändert: Die Ärmel habe ich auf Dreiviertellänge gekürzt und den vertikalen Schrägstreifen im Rücken weggelassen – dafür habe ich lieber die Streifen V-förmig an der hinteren Mittelnaht aufeinandertreffen lassen.

Für das Kleid habe ich wieder Schnittmuster von Truly Victorian verwendet (TV261 für den Rock und TV460 für das Oberteil). Das Schnittmuster für den Überrock/Drapierung habe ich selber dem Originalkleid nachempfunden.

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z_Detail-8Fotos von Jessica Holzhausen

Bei Kleidern aus dieser Zeit wurden, anders als bei heutigen Kleidungsstücken, Futter und Oberstoff als eine Lage verarbeitet. Das hat den Vorteil, dass man sehr leicht an die Nähte herankommt und schnell und umkompliziert Änderungen vornehmen kann. Ich habe bei meinem Kleid die Nahtzugaben noch umgeklappt und am Futter fesgeheftet, weil ich das hübscher fand. Eigentlich gehören in der Taille auch noch Stäbchen auf die Nähte, damit das Oberteil glatt und faltenfrei sitzt. Das tut es bei mir über dem Korsett aber auch schon so, deshalb habe ich sie weggelassen.

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Hinten auf Taillenhöhe wird innen im Oberteil noch ein Taillenband, eine Art kleiner Gürtel,  befestigt, der dafür sorgt, dass das Oberteil nicht hochrutschen kann und hinten im Rücken schön anliegt. Das Taillenband wird vorne mit Haken und Augen geschlossen. Auf dem Taillenband stand üblicherweise das Atelier oder der Schneider, der das Kleid angefertigt hat – bei meinem Kleid habe ich meine Initialen aufgestickt.

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Der oberste Knopf ist nur Zierde, damit nichts absteht oder aufklafft habe ich an der Kante ein Häkchen angebracht. Die Knopflöcher sind übrigens alle hangenäht – das sieht einfach schöner aus als mit der Maschine.

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Die Spitze ist mit ein paar Heftstichen innen am Kragen festgenäht, so kann man sie leicht wieder herausnehmen und separat waschen.

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Den Überrock/ Drapierung habe ich auch als separaten Teil genäht. Das erschien mir etwas praktischer zum Waschen und Bügeln, als wenn der drapierte Stoff auf dem Rock festgenäht ist.

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Die Bänder sind dafür da, den vorderen Teil der Drapierung an Ort und Stelle zu halten. Sie werden hinten mit Schleifen geschlossen und verschwinden dann beim Tragen unter dem hinteren Teil.

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Der eigentliche Rock ist ganz schlicht mit zwei Reihen Rüschen und einem Rüschenband am Saum, die im schrägen Fadenlauf geschnitten sind.

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1880er Accessoires

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Zu einem meiner 1880er Kleider wollte ich gern passende Accessoires haben. Dafür habe ich eine Strohhutbasis mit schwarzem Wollcrêpe bezogen und mit einer Schleifendeko aus dem Kleiderstoff verziert und Handschuhe in den beiden Farben des Kleiderstoffes bestickt.

Handschuhe_1Die Handschuhe habe ich nicht selber genäht, das sind gekaufte, ungefütterte, etwa ellbogenlange Handschuhe aus schwarzem Wildleder. Da die Farbauswahl etwas begrenzt war und schwarz in dem Kleid eigentlich nicht vorkommt, habe ich sie in den Farben des Kleiderstoffes mit einem historisch anmutenden floralen Muster bestickt.

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Innen am Handgelenk habe ich noch eine kleine, mit Knöpfchen verschließbare, Öffnung angebracht. Bei historischen Exemplaren sieht man das auch oft, um das An- und Ausziehen der eng anliegenden Handschuhe zu ermöglichen. Meine sitzen zwar nicht ganz so schön anliegend, aber erstmal bin ich damit zufrieden. Vielleicht passe ich sie bei Gelegenheit noch ein bißchen mehr an..

Hut

Der Hut nimmt das Schwarz der Handschuhe nochmal auf. Eigentlich wollte ich ihn ganz schlicht und schwarz haben, damit er zu unterschiedlichen Kleidern passt. Aber irgendwie fehlte da noch das I-Tüpfelchen – also hat er jetzt eine Schleifendeko aus dem Kleiderstoff bekommen.

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Übrigens die Idee für den “Haubenkopf” (oder engl.”Milliner’s Head”) aus Papiermaché habe ich hier bei Kleidung um 1800 gefunden, als ich auf der Suche nach einer schönen Möglichkeit für die Präsentation von historischen Hütchen war.

Hutkonstruktion_1Den Hut habe ich auf eine Strohhutbasis aufgebaut. Zuerst die Unterseite bezogen, dann die Krempe auf der Oberseite mit Falten besetzt.

Hutkonstruktion_2Zuletzt noch die offenen Kanten der Faltenborte unter einer Drapierung aus dem Reststoff verschwinden lassen und an der Unterseite der Krempe ein bißchen gerüschte Spitze angenäht – dadurch liegt der Hut etwas weniger wackelig auf dem Kopf. Für den festen Halt wird der Hut mit einer Hutnadel in der Hochsteckfrisur festgesteckt.

Sommerspaziergang im Park

a-Vorderansicht-1aDieses Sommerkleid nach der Mode von 1883 besteht aus einem Rock aus vergissmeinnichtblauer Seide und einem Oberteil aus gelber Baumwollpopeline mit feinen eingewebten blauen Streifen. Für den Rock habe ich das Schnittmuster TV261 (Truly Victorian) verwendet. Den Schnitt für das Oberteil mit angeschnittenem Überrock habe ich auf der Grundlage von TV460 (Truly Victorian) erstellt. Die Schnittmuster von Truly Victorian haben den Vorteil, dass sie auch auf historischen Originalschnitten basieren, aber im Gegensatz zu originalen historischen Schnittmustern als Mehrgrößenschnitt zu haben sind, wie man das von modernen Schnittmustern kennt. Die originalen Schnittmuster aus der Zeit gibt es meist nur als kleines Diagramm, dass man sich erst mal auf Lebensgröße vergrößern und dann natürlich noch an die eigene Größe anpassen muss.

Oberteile mit angeschnittenem Überrock heißen auch Polonaise. Der Verschluss des Oberteils verbirgt sich in Form von Haken und Ösen in der vorderen Mitte unter den Schleifen und der Spitze.

Für die typische Silhouette dieser Zeit sorgt der drapierte Stoff und die entsprechende Unterkleidung. Ich trage ein Korsett und eine Tournüre, eine Art Reifrock nur für hinten, zu dem Kleid.

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c-Rückansicht-4Die Schleifenbänder habe ich aus den Resten vom blauen Rock genäht.

Detail-2Detail-3Detail-5Typisch für die Zeit sind die ‘tiefergelegten’ Schulternähte, die nicht wie heute üblich oben mittig auf der Schulter liegen, sondern ein bisschen tiefer im Rücken.

Detail-8Schöne alte Sonnenschirme zu bekommen, die noch in so gutem Zustand sind, dass man sie benutzen könnte, ist schwierig (und teuer). Für meinen habe ich ein altes Schirmgestell mit kaputtem Bezug gekauft und selber neu bezogen.

Schirm-1aSchirm-1bSchirm-2Der neue Schirmbezug besteht aus einem cremefarbenen Baumwollstoff, den ich handbestickt habe. Das Muster habe ich mir von einem Original aus den 1910er Jahren abgeschaut. Das hat ein paar Jährchen gedauert, besonders weil ich nach zwei Segmenten keine Lust mehr hatte, das Gleiche noch fünfmal zu sticken, aber ich finde es hat sich gelohnt.

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Fotos von Jessica Holzhausen

http://jessicaholzhausen.com/